Milton Friedman, Liberaler und Wirtschaftsnobelpreisträger, starb am Donnerstag 94jährig

Mit ihm verlässt uns einer der wichtigsten globalen Freiheitskämpfer des 20. Jahrhunderts, der bis ins hohe Alter seinen scharfen Verstand bewahrte, publizierte und Interviews gab.

In akademischen Belangen machte Friedman durch seine Monetarismus-Theorie den Britischen Ökonomen John Maynard Keynes bedeutungslos – zumindest in grössten Teilen der Makroökonomie. Keynes’ antizyklische Finanzpolitik war mitte des letzten Jahrhunderts die dominante ökonomische Theorie.  Ein extensives Staatswesen versucht, konjunkturelle Schwankungen auszugleichen, indem es in guten Konjunkturphasen viel Steuer-Geld abschöpft, um es in schlechten Phasen wieder in die Wirtschaft einzuschleusen. Friedmans Konzept des Monetarismus ist dem radikal entgegengesetzt: Friedman hat bewiesen, dass für das langfristige Wirtschaftswachstum ein stabiles Geld-System mit nahezu konstantem, limitierten Geldmengen-Wachstum sehr gut geeignet ist und ebenfalls die übermässigen Konjunkturschwankungen der damaligen Vergangenheit limitiert. Im Gegensatz zu Keynes’ Ansätzen zeitigt es aber keinen Wohlfahrtsverlust, der bei der Besteuerung wirtschaftlicher Aktivität notgedrungen auftritt.

Für alle Politiker, die gerne mit der grossen Kelle anrühren, war Friedman ein Graus. Aus seiner Sicht beschränkte sich die Rolle des Staates auf ein idealerweise automatisiertes Zentralbank-System (Geldmengenwachstum von ca 2% in jedem Jahr) und ansonsten nur die Sicherstellung von innerer und äusserer Sicherheit. Damit war Friedman der ökonomische Chef-Einflüsterer der Thatcher-Reagan-Ära.

Wenn Sie nun das Bild eines ausbeuterischen Markt-Radikalen vor sich haben, dann ist das weit gefehlt. Friedman war ein mitfühlender Mensch, der die Sicherung einer existenziellen Wohlstandsgrundlage für jeden Menschen als notwendig erachtete. Das Konzept der negativen Einkommenssteuer als bedingungslose (Sozial-)Hilfe an die Ausgesteuerten geht auf ihn zurück. In akademischen Kreisen gewinnt dieses einfache Vorhaben ohne nennenswerten administrativen Aufwand, das für Einkommen unter einer bestimmten Grenze “Steuern” vom Staat an die betroffenen Bürger abführt, zunehmende Popularität. Durch seine tief philosophische Denkweise, die er für Nicht-Ökonomen sehr verständlich in Büchern wie “Kapitalismus und Freiheit” erläutert hat, erwarb sich Friedman zahllose Anhänger durch alle Bevölkerungsschichten. Für Milton Friedman war der Mensch, für den “Freiheit” ein materiell einfaches aber sorgenloses und selbstbestimmtes Dasein bedeutet, genauso achtenswert wie der Mensch, der für seine Freiheit nach maximaler materieller Ausstattung strebt. Friedmans Lebenswerk ist ein grosses Geschenk an die Menschheit und wir wollen dem Doyen des Liberalismus zum Abschied leise für dieses Vermächtnis danken. R.I.P.

P.S. Wenn Sie in Nachrufen lesen, Milton Friedman habe den Diktator Pinochet und sein Regime beraten, so stimmt dies nicht. Pinochet richtete zwar seine Wirtschaftspolitik an Friedmans Ideen aus und liess sich von ehemaligen Studenten Friedmans beraten – Friedman selbst behielt aber zeitlebens die grösstmögliche Distanz zu Diktaturen, denn er war ein liberaler Menschenfreund mit der festen Überzeugung, dass politisch autonome Bürger eine langfristige Voraussetzung für die Ausbildung einer freien und wirtschaftlich erfolgreichen Gesellschaft seien.

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New York Times  
Neue Zürcher Zeitung (da kommt sicher noch mehr)
Die Welt 
Le Monde
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